Erleben und Begreifen: 9. Verkehrssicherheits- und Präventionstage an den BBS in Clp
Fahrsimulator, Live-Crash und Workshops zu Sucht, Medien und Finanzen: Rund ca. 2.800 Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich vier Tage lang mit Risiken und Verantwortung.
Wie gefährlich sind Geschwindigkeit, Alkohol oder Ablenkung am Steuer? Und was hat Ver-antwortung mit Geld, Gefühlen und Social Media zu tun? Diese Fragen standen bei den 9. Verkehrssicherheits- und Präventionstagen der BBS am Museumsdorf und der BBS Technik in Cloppenburg im Mittelpunkt. Vier Tage lang setzten sich ca. Schülerinnen und Schüler aus 151 Klassen mit Themen der Verkehrsunfall-, Sucht- und Medienprävention sowie Finanzen, beruflichen Perspektiven und Selbstfürsorge auseinander, und zwar mit Vorträgen, Vorführungen und Mitmachaktionen.
Das Präventionsprojekt der beiden Schulen findet seit 2008 im Zwei-Jahres-Rhythmus statt. Ziel ist es, zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden beizutragen. Dabei richtet sich das Angebot an junge Menschen in einer Lebensphase, in der sie ihre Unabhängigkeit erproben und häufig Risiken eingehen. Günter Lübke, Schulleiter der BBS am Museumsdorf erklärt: „Verkehrssicherheit gehört in den Schulalltag, gerade bei jungen Erwachsenen zwischen 17 und 24 Jahren, die unter den Verursachern von Verkehrsunfällen noch immer überproportio-nal vertreten sind. Wenn wir Risiken erlebbar machen, übernehmen wir als Schule Verant-wortung dafür, dass aus Leichtsinn keine Tragödie wird.“
Ein Höhepunkt war das Bühnenprojekt „113“, an dem rund 500 Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Das Projekt wurde von der Verkehrsunfallprävention gemeinsam mit dem Schutzengelprojekt der Landkreise Cloppenburg und Vechta initiiert. Beteiligte, Betroffene und Angehörige berichten darin gemeinsam mit der Polizei, dem Rettungsdienst, dem Kri-seninterventionsteam, Bestattern und der Freiwilligen Feuerwehr in Erfahrungsberichten und Videobotschaften. Die Zahl steht symbolisch für die durchschnittlich 113 Menschen, die nach einem tödlichen Verkehrsunfall involviert sind, von Ersthelfern, Polizei und Feuerwehr bis zu Angehörigen, Lehrkräften und Arbeitskollegen.
Über 20 weitere Angebote lieferten weitere Impulse. In einem dieser Workshops teilte eine Notärztin mit einer Unfallbetroffenen ihre Erfahrungen. Die Jugendlichen erfuhren aus erster Hand, was schwere Unfälle für Einsatzkräfte und Opfer bedeuten. In einem anderen zeigten Richterinnen und Richter, Staats- und Amtsanwälte anhand realer Fälle die Folgen von Alko-hol und Drogen im Straßenverkehr. Ergänzend informierte ein Workshop über die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) und ihre rechtlichen, persönlichen und berufli-chen Konsequenzen. Fahrsimulator, Überschlagsimulator und Gurtschlitten machten erfahrbar, wie schnell Situationen im Straßenverkehr kippen können und welche Kräfte selbst bei geringer Geschwindigkeit wirken. Weitere Angebote widmeten sich dem Umgang mit E-Scootern und dem Phänomen des Gaffens.
Das Programm ging bewusst über den Straßenverkehr hinaus. Die Schülerinnen und Schü-ler beschäftigten sich mit Cybermobbing und Straftaten im Netz, mit der Wirkung von Musik und Trends in sozialen Medien, mit politisch motivierter Kriminalität sowie mit der Can-nabisprävention. Weitere Workshops behandelten Zivilcourage im öffentlichen Personenver-kehr, Emotionsmanagement und den Umgang mit Nervosität und Angst. Zwei Angebote drehten sich um Finanzkompetenz, darunter Schuldenfallen und die Frage „Was kostet das Leben?“. Ein Projekt zur Berufsorientierung zeigte Wege auf, Ausbildungs- und Schulabbrüchen vorzubeugen, und ein Workshop zum Safe Walk und zur Selbstbehauptung rundete das Programm ab.
Einen weiteren Höhepunkt bildete der Live-Crash auf dem Gelände der BBS Technik: Ein Auto wurde aus zehn Metern Höhe fallen gelassen. Der laute Aufprall und der Anblick des Wracks beeindruckten die Zuschauenden sichtlich.
Gemeinsam mit Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Cloppenburg demonstrierten die Rettungskräfte anschließend ihre Arbeit nach einem Unfall. Dr. Andreas Berndt, Schulleiter der BBS Technik, dankte Jan-Bernd Schulte und Frank Breher für die Organisation an der BBS Technik und betonte die besondere Bedeutung der Präventionsarbeit: „Es passiert immer wieder, dass Schülerinnen und Schüler der BBS Tech-nik zum Teil schwer verunglücken. Es ist daher ein besonderer Wunsch der Schule, zu sen-sibilisieren und dadurch für mehr Sicherheit zu sorgen.“
Wie viel ein Einsatz auch den Helfenden abverlangt, wurde im Interview mit einem Feuer-wehrmann und einer Feuerwehrfrau deutlich. Der Feuerwehrmann Heiko Noack berichtete, dass neben dem Wunsch, anderen Menschen zu helfen, auch die Gemeinschaft, der Team-geist und die Geselligkeit die Mitgliedschaft in der Feuerwehr prägen. Das Zugehörigkeitsgefühl und der Zusammenhalt geben ihm viel. Auch schwarzer Humor spiele eine wesentliche Rolle: Er sei eine Form des Selbstschutzes, um belastende Erlebnisse und Bilder verarbeiten zu können.
Feuerwehrfrau Almut Opolka schilderte ebenfalls Erfahrungen, die sie nachhaltig beschäfti-gen. Sie versuche jedoch, die Belastungen nicht mit nach Hause zu nehmen. Seit geraumer Zeit arbeite sie an einem Buch, in dem sie ihre Erlebnisse festhalte. Das Schreiben helfe ihr, sich das Erlebte von der Seele zu schreiben. Zugleich wolle sie Menschen mit ihrem Buch für einen verantwortungsvollen Umgang im Straßenverkehr sensibilisieren. Die persönlichen Einblicke machten deutlich, dass die Folgen eines Verkehrsunfalls weit über den Unfallort hinausreichen. Zugleich zeigten sie, wie wertvoll die Gemeinschaft der Feuerwehr ist – für Menschen in Not ebenso wie für diejenigen, die ihnen helfen. Vorbereitet und durchgeführt wurden die Präventionstage von einem Organisationsteam aus Vertreterinnen und Vertretern beider Schulen, der Kreisverkehrswacht Cloppenburg und des Schutzengelprojekts. Die Finanzierung übernahmen überwiegend das Bundesministerium für Verkehr und der Landkreis Cloppenburg. Ca. 30 Referentinnen und Referenten verschiede-ner Kooperationspartner brachten sich ein, darunter der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr e. V. (BADS), die Verkehrswacht Lingen, die Polizeiinspektion Cloppen-burg/Vechta, die Bundespolizei, der Landkreis Cloppenburg, die Schulsozialarbeitsteams beider Schulen, die Region des Lernens, LCV, LZO, das Schutzengelprojekt und Ehrenamtli-che.
Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler resümierten, dass die Beiträge interaktiv, interes-sant und zeitgemäß gestaltet waren. Auch Achim Wach, Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht Cloppenburg e. V., zeigte sich zufrieden: „Die Präventionswoche in den Berufsbilden-den Schulen – dass wir in den Schulen was machen können – ist hervorragend. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind begeistert, sie steigen überall ein, probieren alles aus. Unser Erfolg wird garantiert sein!“ Die nächsten Verkehrssicherheits- und Präventionstage sind folglich für 2028 fest eingeplant!