Szenisches Interpretieren

Ein produktionsorientierter Interpretationsansatz im Deutschunterricht


 

 

 

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Szenisches Interpretieren als produktionsorientierter

Interpretationsansatz im Deutschunterricht

 

 

Warum szenisches Interpretieren?

Lernprozesse spielen sich zu einem Großteil auch im Unbewussten ab. Sie sind dabei eng mit den persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen von Lernenden und Lehrenden verknüpft, reflektieren somit auch unbewusste und bewusste Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmuster, die durch szenische Darstellungen zum Ausdruck gebracht werden können.

 

Das Ziel einer szenischen Interpretation ist somit nicht die Aufführung, das fertige Produkt oder eine gelungene Inszenierung, sondern vielmehr die Interpretation des Textes durch die Handlungen der SchülerInnen, die sich dabei ihre eigenen Haltungen bewusst machen können. Die SchülerInnen entdecken eigene innere Vorstellungen, Gefühlslagen, soziale und politische Einstellungen und Interessen (innere Haltung) und körperliche und sprachliche Ausdrucksformen (äußere Haltung).

 

Die Legitimation des szenischen Interpretierens im Deutschunterricht ist sowohl durch die Richtlinien der gymnasialen Oberstufe gegeben, die Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung fordern, als auch durch das vermehrte Fehlen von das Leben prägenden Nachahmungen und Erprobungen gesellschaftlicher Verhaltensmuster aufgrund der Medienschwemme im Kindesalter.

 

Somit ist der Deutschunterricht der ideale Ort um Auseinandersetzungen (auch mit sich selbst), Krisen und soziale Konflikte jedweder Art aufzuarbeiten.

 

 

Möglichkeiten szenischen Interpretierens

Rollengespräche: Die Teilnehmenden agieren aus Rollen heraus, die durch den Lehrenden im
                            Gespräch oder durch Befragung der Mitspielenden fassbar werden.

Standbilder:        Bestimmte Momente werden „eingefroren“. Dabei modelliert jemand eine

                            Szene nach seinen Vorstellungen und erläutert dann „sein“ Werk.        

Darstellung von Beziehungen:  Positionierung der Mitspielenden, um Beziehungen auszudrücken
                            (Nähe, Abgrenzung, Hierarchisierung, etc.).

Szenisches Lesen:  Die Mitspielenden lesen „aus ihren Rollen heraus“.

Darstellung von Handlungen:  Handlungen werden zunächst schriftlich erfasst (auch aus dem
                            Text heraus). Im Anschluss wird die Szene gespielt, wobei die Mitspielenden
                            eigene Worte verwenden, aber die festgestellte Handlungen erhalten bleiben.

Arrangieren von Gesprächssituationen:  Es werden Gesprächssituationen arrangiert, die über
                             Passagen im Text berichten.

Rollentexte:         Aus den Rollen heraus werden Ereignisse „zwischen den Szenen“ verschriftlicht.